Wish

Ich starte diesen Blog als Fastentagebuch und halte hier meine Erfahrung mit dem freiwilligen Verzicht auf Nahrung, unter Anleitung eines simplen Fastenbuches, sowie auf Grundlage von Recherchen im Internet, fest.

 Rückblick auf den 1. Fastentag

 Ich bin gegen 9 Uhr aufgestanden und habe die 'Ausrüstung' gekauft, d.h. leckere Fruchtsmoothies (von 'innocent', die  garantiert frische Früchte und frisch gepressten Fruchtsaft enthalten), Gemüse für Gemüsebrühe und in der Apotheke Glaubersalz.

 Dann habe ich das Glaubersalz getrunken, in Kombination mit Pfefferminztee zum nachspülen.
Ich habe das Glaubersalz mit 400ml heissem Wasser übergossen und Zitronensaft darunter gemischt, um den, angeblich, so überaus widerlichen Geschmack des Salzes zu neutralisieren.
Es schmeckte gar nicht so schlimm.
Ich habe das Gesöff innerhalb von ca. 5 Minuten in einzelnen Schlücken getrunken.

Ca. eine Dreiviertelstunde später trat die Wirkung ein.
Was für eine Reinigung!
Mein Darm wurde in den nächsten 1-2 Stunden 3x durchspült und es fühlte sich wirklich befreiend an.

Von 13 - 17 Uhr musste ich arbeiten.
Nebenjob: Security
Tätigkeit: Hauptsächlich stehende, leichte Tätigkeit.

Von 20 - 00 Uhr waren meine zwei besten Freunde bei mir. Sie tranken Alkohol, ich Wasser und Tee.
Es fiel mir überraschend leicht, nicht mitzutrinken/saufen. Ich habe ziemlich viel Marihuana geraucht, muss ich gestehen.
Als ich gegen 23.00 Uhr mit meinem besten Freund M. (der wie ein Cousin für mich anzusehen ist) alleine war, kritisierte er mein Fastenvorhaben und meinte, dass dieses Vorhaben nicht zu unterschätzen wäre und ich einige Dinge zu beachten hätte. Seine Mutter ist eine Art Kräuterdruidin, wie ich es gerne nenne, und kennt sich mit der Thematik sehr gut aus. Er hat auch absolut recht.
Ich muss selbst sagen, dass es ungünstig ist, das Fasten 'nebenbei' zu machen, ohne ausreichend mentale Vorbereitung. Denn Fasten ist auch, oder sogar vor alledem, ein geistiger Prozess.
Ich weiß das. Aber ich brauche es jetzt! Ich habe in den vergangenen Monaten, seit der Trennung von meinem Freund, eine regelrechte Essstörung entwickelt. Ich will dass das endgültig ein Ende hat! Viel Trainingn und die Umstellung der Ernährung haben bislang nur temporäre Wirkung gehabt. Selbst eine gründliche Selbstanalyse, mit Anleitung eines Buches, hat mir zwar einige Dinge klar vor Augen geführt und mir die Gründe für mein gestörtes (Ess)verhalten zur Erkenntnis gebracht, aber dennoch kam ich nicht davon los, immer wieder in alte Muster zurückzufallen.
Einige Punkte bei den bisherigen Versuchen wären zu kritisieren und würden wohl ausreichend begründen können, weshalb es nicht geklappt hat, dies möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht tun, es würde zu weit führen.

Wie dem auch sei... ich habe mit dem Fasten-Prozess bereits begonen und werde ihn auch durchziehen.
Ich bin froh, mit M. darüber sprechen zu können, ohne dass er mich für verrückt hält.

Jedenfalls will ich zurückfinden zum Genuss am Essen! Meinen Körper und meinen Geist wieder schulen, auf die Details, die Feinheiten des Geschmackes.
Ich möchte wieder richtig kochen!
Jede Gemüse einzeln in die Hand nehmen, waschen, betrachten, für den Kochvorgang vorbereiten.
Ach... Kochen ist eine wahre Kunst! Und ihre Ausübung kam mir in den letzten Wochen abhanden.

Ich habe nur noch auf die schnelle nach Essen, Befriedigung, meiner Droge gesucht, und das nächstleckerste in mich hineingestopft!
Ich habe die Sprache meines Körpers völlig überhört und ihn und seine Reaktionen, v.a. im Gehirn, denn Zucker und Fett erzeugen Glücksstoffe, missbraucht... Missbraucht, um meine Sorgen erträglicher zu machen.

--

Gestern befolgte ich den Plan strikt.
Es war zeitweise hart, aber es gab wahre Erleuchtungsmomente, die mir zeigten, dass ich auf einem guten Weg zu einem neuen Bewusstsein bin:

* Als ich zum 'Abendmahl' einen kleine Tasse Smoothie+Wasser trank, eröffnete sich mir ein Geschmackserlebnis sondergleichen!

Was für ein wahnsinns erhöhendes, erfrischendes Gefühl es doch war, diesen köstlichen Saft.. nein.. Nektar zu trinken!
Ich genoss jeden einzelnen Schluck und versank in Phantasien von Bananenplantagen im Sonnenlicht und hübschen Kokospalmen, die diese überaus leckeren und vom Geschmack her so interessanten Kokosnüsse tragen. Grün.
[Ich habe in Indien gelernt, dass die Kokosmilch von den grünen Kokosnüssen kommt, nicht von den braunen, ein wenig haarigen. Ich wußte das gar nicht. Ich kenne auch eigentlich nur die Illustrationen von den braunen Kokosnüssen. Prägung der westlichen Welt]

Ich habe gestern einiges weitergebracht.
Vor allem vertiefe ich mich in geistige Projekte. Ich lese und studiere Texte von Husserl und Heidegger. Husserl 'Krisis-Schrift' über die Phänomenologie der Lebenswelt und Wissenschaft ist grandios!
Ich versuche einen klareren Blick darauf zu gewinnen, was mit der Wissenschaft passiert ist.
Wieso sie in dem vorhandenen System von Institutionen arbeitet, aber vor allem: Weshalb sie die primäre Wissens-Form der neuzeitlichen Menschheit geworden ist, und primär die Antworten auf Fragen um die Welt, liefert. Für dieses Unternehmen betrachten Husserl und Heidegger die geschichte (Epistemologie) der Wissenschaften.
Es ist irre spannend!

Auch wenn ich immer wieder in meine alten Verhaltensmuster zurückkippen möchte, und lieber auf der Couch flacken würde und mir völlig unnützer Unterhaltung durch Serien hingeben, zwinge ich mich stetig dazu, weiterzumachen, aktiv zu sein und meinen Körper und Geist in Bewegung zu halten.
Diese verdammte Konsumlandschaft der neuzeitlichen Lebenswelt!
"Des Menschen Verlangen nach Zerstreuung ist unermesslich.", hat Houxley geschrieben.


Ich halte das für sehr gefährlich.
Ich merke es an mir selbst. Ich bin sehr träge geworden, erledige Arbeiten, weil ich sie zu erledigen habe. Weil die Leiterin der Lehrveranstaltung unter Modulpunk 4 die Aufgabe von mir gefordert hat.
Ich habe dieses Semester hauptsächlich Philosophie-Vorlesungen und Seminare gewählt. Ich will der Bürokratie nicht erliegen! Genausowenig wie dem Reiz der einfachen Unterhaltung. Keine Frage, ich liebe Unterhaltung, so wie jeder andere Mensch auch. Ich steh total auf Donald Duck, Invdader Zim und diverse TV-Serien. Aber dies ist Genuss, von dem ich es für ratsam halte, ihn nur in Maßen zu genießen.
Die Menge macht das Gift!
Aber ich will nicht dauerhaft diesen ganzeln Mitteln erliegen, die mich vom Hier & Jetzt abhalten, vom Nachdenken und Forschen. Körper und Geist werden dadurch träge. Es wäre die Aufgabe meiner Autonomie!
Und das ist doch der Tod einer jeder Philosophin. - Stillstand.

Das Fasten ist wunderbar, denn ich entdecke mich und die Welt wieder neu. Ich werde in Staunen versetzt und meine Neugiere ist wieder geweckt !

1.11.10 10:58
 


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